„Zu meinen Expeditionen wurden mir jede Menge Fragen gestellt, aber ich wurde nie gefragt, ob es da oben (Anm. am Gipfel) schön war.“

- HANS KAMMERLANDER

Der Südtiroler Hans Kammerlander gehört zu den erfolgreichsten Extrem-Bergsteigern unserer Zeit. In seiner Biografie stehen mehr als 2500 Klettertouren, rund 50 Erstbegehungen und 60 Alleinbegehungen großer Alpenwände.

Er bestieg zwölf der vierzehn Achttausender. Er fuhr mit Ski vom Gipfel des Everest ab und durch die steilen Flanken des Nanga Parbat. Als erstem Bergsteiger der Welt gelang Hans eine der beiden Versionen der Seven Second Summits.

„Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist - denn vorher gehörst du ihm.“

- HANS KAMMERLANDER

Wir haben Hans Kammerlander Ende Juli nach seinen ganz persönlichen Erfolgsmomenten und deren emotionale Bedeutung gefragt.

Hans, vor dem Aufbruch zu einer Gletschertour mit seinen Kunden:

„Zu meinen persönlichen Erfolgsmomenten gehört allen voran die Abfahrt mit Skiern vom Gipfel des Mount Everest 1996. Ich war früher als geplant am Gipfel, konnte mich ausruhen, im Moment verweilen und die unbeschreibliche Vorfreude auf die Abfahrt genießen.“

„Die Besteigung des zweithöchsten Berges der Welt, dem 8611m hohen K2, war für mich auch etwas ganz Besonderes. Der K2 ist formvollendet schön, um ein vielfaches schwieriger zu besteigen, wie andere 8000er und erst nach 4 erfolglosen Anläufen, ist im 5ten die Besteigung endlich gelungen.“

„Etwas Außergewöhnliches war auch die Zeit mit Lehrmeister Reinhold Messner. Als erste durchstiegen wir die Annapurna Nordwestwand und überschritten als erste die beiden Gipfel von Gasherbrum I + II.“

Eine bewegte, erfolgreiche Karriere auf 3 Ereignisse und wenige Worte zu reduzieren, sagt eine Menge über die Person Hans Kammerlanders aus aber auch über seine Art & Weise Berge zu besteigen.

(Anm.: Kammerlander setzte bei seinen Expeditionen stets auf Schnelligkeit, welche nur solo oder in kleinen Zweier- und Dreiergruppen erreicht werden konnte. Er verzichtet aus ethischen Gründen auf Flaschensauerstoff und reduzierte die Ausrüstung auf das Notwendigste um nicht vorgegaukelte Sicherheit mit auf den Berg zu tragen; dadurch sparte er Gewicht ein, um sich nur so kurz wie möglich in der Todeszone aufzuhalten.)

Als 8-jähriger bestieg Hans Kammerlander seinen ersten Berg. Heimlich folgte er einem Touristenpaar auf den Großen Moosstock (3059 m), oberhalb seines Heimatdorfes Ahornach. Erst am Gipfel wurde er entdeckt. Doch statt der erwarteten Ohrfeige gab es einen Apfel und einen grandiosen Ausblick, der das weitere Leben des Bergbauernbuben grundlegend verändern und nachhaltig bestimmen sollte. An diesem Tag begann ein Weg, von dem niemand ahnte, wie weit hinaus, und vor allem wie hoch hinauf er führen würde.

In der Biografie von Hans Kammerlander stehen mehr als 2500 Klettertouren, rund 50 Erstbegehungen und 60 Alleinbegehungen großer Alpenwände. Er bestieg zwölf der vierzehn Achttausender. Sieben davon an der Seite von Reinhold Messner. Er fuhr mit Ski vom Gipfel des Everest ab und durch die steilen Flanken des Nanga Parbat. Mit Reinhold Messner umrundete er auf den Landesgrenzen seine Heimat Südtirol. Er durchstieg die beiden Nordwände von Ortler und Großer Zinne innerhalb von 24 Stunden. Innerhalb von 24 Stunden gelang ihm auch alle vier Grate des Matterhorns zu besteigen. Als erstem Bergsteiger der Welt gelang Hans Kammerlander die Besteigung aller Seven Second Summits mit seiner eigenen Interpretation.

2013 entschloss sich der Südtiroler, den Wettlauf mit den anderen Extrembergsteigern zu beenden. Die Schönheit des Alpinismus sollte im Vordergrund stehen und gleichzeitig das Abenteuer nicht weniger werden. Kammerlander begann auf der ganzen Welt nach einzigartigen Bergen zu suchen, die sich gegenseitig und im subjektiven Blick an Schönheit überbieten. Einzig ihr Aussehen, ähnlich dem des Matterhorns in der Schweiz, eint Kammerlanders Idee der „Matterhörner der Welt“. Der Shivling in Indien, der Stetind in Norwegen, die Ama Dablam in Nepal oder der Mount Assiniboine in den Rocky Mountains.

Im Spätherbst 2017 kehrt Hans Kammerlander zum 8163 Meter hohen Manaslu in Nepal zurück um damit sein Trauma von 1991 endgültig hinter sich lassen. Während eines Gipfelversuchs waren damals seine beiden Freunde Friedl Mutschlechner und Karl Großrubatscher bei einem Wettersturz ums Leben gekommen. „Ich habe festgestellt: Es ist besser, nach vorne zu gehen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken und aufzuhören. Da entstand die Idee, vielleicht doch noch einmal an den Manaslu zurückzukehren, ohne Leistungsdruck auf den Berg zu gehen und damit einen Weg zu beenden.“ 

Hans Kammerlander ist Bergführer und Skilehrer. Er lebt noch immer in seinem Geburtsort im Tauferer Ahrntal und ist Vater einer Tochter.

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